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Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma übernimmt RomArchive

 

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma und RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma, freuen sich, anlässlich des Welt-Roma-Tags am 8. April bekannt zu geben, dass das Dokumentationszentrum die Trägerschaft von RomArchive übernommen hat.

Die Projektinitiatorinnen Franziska Sauerbrey und Isabel Raabe, die Kulturstiftung des Bundes, die Bundeszentrale für politische Bildung und das Dokumentations-und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma haben sich darauf verständigt, dass das Heidelberger Zentrum das RomArchive übernehmen wird, nachdem ursprünglich das in Berlin ansässige Europäische Roma-Institut für Kunst und Kultur (ERIAC) als zukünftige Trägerinstitution vorgesehen war. Als wissenschaftliche Facheinrichtung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma verfügt das bereits in den 1990er Jahren gegründete Dokumentationszentrum über jahrelange Forschungserfahrung, ein europaweites Netzwerk und die nötige politische Reputation, um das umfangreiche RomArchive künftig erfolgreich führen zu können. Sowohl das Dokumentationszentrum als auch das ERIAC betonen ihr Interesse an einer engen Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung des RomArchive. Der Übernahmevertrag wurde am 27. März 2019 von Romani Rose für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma unterzeichnet.

 

v.l.n.r., vorne: Isabel Raabe (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma), Romani Rose (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Franziska Sauerbrey (RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma); hinten: Emran Elmazi (Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma), Oswald Marschall (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma), Hortensia Völckers (Kulturstiftung des Bundes), Kirsten Haß (Kulturstiftung des Bundes), Herbert Heuß (Zentralrat Deutscher Sinti und Roma). Foto: Nihad Nino Pušija

„Mit der Übernahme der Trägerschaft des Projekts RomArchive unterstreicht das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, wie wichtig es ist, die vielfältigen kulturellen Beiträge, die Angehörige unserer Minderheit in ganz Europa geleistet haben und immer noch leisten, sichtbar zu machen“, betont Romani Rose. „Denn nur durch die Dokumentation des kulturellen Erbes von Sinti und Roma und der Verdeutlichung des hohen Werts dieser lange ausgegrenzten Kultur kann der Antiziganismus bekämpft und wirkungsvoll zurückgedrängt werden.“

Die Projektinitiatorinnen Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey freuen sich „mit dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma eine Institution gefunden zu haben, die den Anforderungen der Anschlussförderung entspricht, und insbesondere, dass das Dokumentationszentrum das Archiv ausbauen und weiter wachsen lassen möchte. Wir sind sehr gespannt auf die weitere Entwicklung von RomArchive.“

RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma ist online unter www.romarchive.eu zugänglich.

Unterstützung
In den Jahren des Aufbaus bis zum Launch von RomArchive (2015–2019), unter der Trägerschaft der sauerbrey | raabe gUG (haftungsbeschränkt), wurde RomArchive von der Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro unterstützt.

Die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen war der Kooperationspartner für die technische Einrichtung und Umsetzung. Vom Planungsbeginn an standen dem Projekt außerdem die European Roma Cultural Foundation und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma beratend zur Seite.
Das Goethe-Institut unterstützte die Arbeit von RomArchive in diesen Anfangsjahren ebenfalls und flankierte es mit eigenen Veranstaltungen. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung und das Auswärtige Amt beteiligten sich an der Förderung von RomArchive. Die Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt darüber hinaus die redaktionelle Betreuung von RomArchive ab 2019 für weitere fünf Jahre.

Über RomArchive
RomArchive, das Digitale Archiv der Sinti und Roma, ist am 24. Januar 2019 veröffentlicht worden und macht die Künste und Kulturen der Roma und ihren Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte endlich sichtbar. Durch von Roma und Sinti selbst erzählte Geschichten schafft RomArchive eine im Internet international zugängliche, verlässliche Wissensquelle, die Stereotypen und Vorurteilen mit Fakten begegnet.

Inhaltlich haben 14 Kurator_innen die Darstellung bestimmt und exemplarisch künstlerische Beiträge für die Archivbereiche Bildende Kunst, Film, Literatur, Musik, Tanz, Theater und Drama und den interdisziplinären Bereich Flamenco ausgewählt, darüber hinaus Material zur Bilderpolitik, Selbstzeugnisse im Zusammenhang mit der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus sowie wissenschaftliches Material zur Bürgerrechtsbewegung. Mit den verschiedenen Arbeitsgruppen sind etwa 150 Akteure aus 15 Ländern europaweit und darüber hinaus am Projekt beteiligt. Sie bilden ein weltweites Netzwerk von Kulturschaffenden, Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen, die hauptsächlich zur Minderheit gehören und RomArchive zum derzeit größten Kulturprojekt von, für und mit Sinti und Roma machen, in dem das Prinzip der „Romani Leadership“ konsequent umgesetzt wird. Von Anfang an haben die Projektinitiatorinnen geplant, die Trägerschaft von RomArchive nach der fünfjährigen Aufbauphase an eine europäische Sinti- und Roma-Organisation zu übergeben.

Die auf ständigen Zuwachs angelegte Sammlung des Archivs spiegelt exemplarisch die enorme Bandbreite und Diversität von kulturellen Identitäten und nationalen Eigenheiten wider, anstatt ein realitätsfremdes Bild einer homogenen „Roma- Kultur“ zu vermitteln. Der Reichtum einer jahrhundertealten und bis in die Gegenwart überaus lebendigen und vielseitigen künstlerischen und kulturellen Produktion wird hier erstmals in diesem Umfang öffentlich sichtbar.

 

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